Kolumne: Marx & Engels (Dezember 2012)

US-Demokraten im Freudentaumel – nur 48% gegen Obama

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz-Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Natürlich. Sind Sie nicht auch erstaunt, wie schnell so ein Mega-Spektakel wie die amerikanische Präsidentenwahl in Vergessenheit gerät? Monatelang baut eine gigantische Maschinerie zwei Mega-Stars auf. Die ganze Welt schaut gebannt zu. Und wer regiert nach dem fulminanten Finale? Der Alltag.

Marx: Man hat sich eben daran gewöhnt, dass die angekündigten Wunder ausbleiben. Mit Umarmungen und Schulterklopfen hat Obama jedenfalls nicht wirklich das Verhältnis zu Russen und Chinesen verbessern können. Da haben eben diesmal viele auf “Hallo, ich bin der Mitt und ich bin stärker als Du” gesetzt.

Engels: Unglaubliche 4,5 Milliarden Dollar hat die große Show der Wahlversprechen diesmal verschlungen – also nur das Sagen, ohne das Machen. Dagegen wirkt der bundesdeutsche Wahlkampf mit 62 Millionen Euro geradezu wie ein Schnäppchen. Fahnen, Hütchen, Wimpel und Tröten sind in Deutschland traditionell auch dem Kölner Karneval vorbehalten. Innovative Wahlkampf-Artikel, wie Hunde-Pullover mit der Aufschrift “I vote for Obama” beziehungsweise “Ich wähle Steinbrück”/”Merkel”/ “Irgendwen” muss man sich hier noch selbst häkeln.

Marx: Bei Tieren hatte der Republikaner ja kein gutes Händchen. Ich rede von seiner Ankündigung der Sesamstraße die Mittel zu kürzen. Wie kann er nur so leichtfertig die Grundfesten Amerikas antasten! Bibo arbeitslos? Undenkbar! Wer nimmt schon noch einen 2,50-meter großen gelben Vogel, der zudem noch über 50 ist? Kurzum, ein Geschenk für Obama, ab sofort Präsident der Vögel und ihrer wahlberechtigten Besitzer.

Engels: Aber es gibt ja auch noch andere Werte, wie die Stilsicherheit der First Ladies. Da hatte Michelle die Nase leicht vorn. Und dann hat Obama den Bibo- und Modebonus im ersten TV-Duell noch nicht mal erwähnt! Stattdessen ging es um Solidarität mit den Schwachen contra Leistungsprinzip, Steuern erhöhen gegen Sozialleistungen kürzen. Fragt sich, wer mit 16 Billionen Dollar Schulden und 12 Millionen Arbeitslosen im Gepäck überhaupt noch Handlungsspielraum hat.

Marx: Ann Romney war sich wohl auch nicht so sicher, weshalb sie ihren Mann eines Abends fragte “Mitt, kannst Du Amerika retten?”. Da war ihr Mann schön in der Klemme, es gab nämlich zwei Antwortmöglichkeiten. War es Intuition, der Heilige Geist oder reiner Zufall? Zumindest konnte Ann tags darauf zutiefst gerührt der Welt vermelden: Ja, ihr Mann könne Amerika retten.

Engels: Nach dieser verbindlichen Zusage hat es auch fast die Hälfte der Wähler nicht mehr gestört, dass Romney das Rollenverständnis der 50-iger Jahre preist und Darwin durch einen Engel ersetzt, der den Erdlingen das Buch Mormon gebracht hat.

Marx: Der Mormone an sich ist nämlich ein friedliebender Christ. Romneys Nächstenliebe wird eben nur von der wohlsituierten Klientel besser angenommen. Und – sehen Sie mal das Positive – was haben wir uns durch den Biologieunterricht gekämpft! Da ist es doch viel leichter sich Adam, Eva, Schlange, Apfel zu merken.

Engels: Skurril, wie so vieles in diesem Wahlkampf. Aber schön war’s. Und obwohl die Rosinenbomberverbundenheit langsam verblasst, schwingt immer noch ein bisschen Bewunderung mit, für ein Land, in dem alles lauter, bunter und größer ist.

Marx: Es gibt aber noch einen ganz persönlichen Sympathiefaktor. Einer der beiden Kandidaten weiß den Genuss von Tabak zu schätzen. Kleiner Tipp: Es ist nicht Romney.

Engels: Stimmt, aber musste Obama nicht für die “Political Correctness” aufhören?

Marx: “Offiziell…”, sagte sein Sprecher vieldeutig.

Engels: Politisch korrekt bedeutet für mich, dass man den anderen nicht in seiner Entscheidungsfreiheit beschneidet. Möchten Sie darauf eine Pfeife mit mir rauchen?