Kolumne: Marx & Engels (Dezember 2013)

Einmal Freiheit und zurück.

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. real existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

Marx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Natürlich. Waren Sie nicht auch immer stolz auf die mühsam erkämpften Errungenschaften unserer modernen Demokratie? Von der Meinungs- und Glaubensfreiheit über das Frauenwahlrecht bis zur freien Berufswahl und dem Grundrecht auf Eigentum…

Marx: So funktioniert gesellschaftliche Entwicklung – das Volk bestimmt, was es will. Und freie Entfaltung macht zufriedene Bürger. Genau diesen Job hat allerdings jetzt die EU übernommen: Zu bestimmen, was das Volk will – schön verpackt als Umwelt-, Gesundheitsoder Sparverordnung. Und wer nicht will, was die EU ihm vorschreibt zu wollen, wird als destruktiver Individualist denunziert.

Engels: Dabei sind es gerade die Individualisten, deren freier Geist die Gesellschaft inspiriert! Denken Sie nur an Aufklärung, Emanzipation und an die französische Revolution! Voltaires Satz “Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass Du es darfst” markiert einen Befreiungsschlag aus der Meinungsnorm. Gemeinsam mit John Locke und Immanuel Kant hat er das Volk zu mündigen Bürgern erklärt und die moderne Welt eingeläutet. Erst auf dem Boden dieser neuen Selbstbestimmung konnten Literatur, Kunst und letztlich die ganze westliche Kultur erblühen.

Marx: Danke Voltaire! Meine Freiheit ist meine Lebensqualität. Und wenn’s sein muss, dürfen Sie auch jederzeit sagen, was Sie wollen. Auch wenn’s mir nicht gefällt…

Engels: Sehr freundlich, aber ich sehe meine Freiheit aus einer ganz anderen Richtung bedroht. So fortschrittlich das Großprojekt EU daher kam, so rückschrittlich geriert es sich als Fürsorge-Diktatur. Nachdem wir im Wohnzimmer unsere guten alten Glühbirnen durch hässliche, ökologisch höchst bedenkliche Energiesparlampen ersetzt haben, müssen wir nun damit rechnen, dass es unvermittelt an der Badezimmertür klopft: “EU-Duschkopfkontrolle!” Demnächst dürfen nämlich nur noch Wassersparmodelle montiert werden. Dass dann zu wenig Wasser durch Deutschlands Leitungen fließt und diese kostenintensiv gespült werden müssen, das ähm – das behaupten ja nur ein paar miesepetrige Experten. In der EU wird nämlich alles, das die Silbe “spar” enthält, freudig durchgewunken. Klingt einfach zu gut.

Marx: Für Otto Normalduscher ist dann Schluss mit stundenlangem Niagara-Geplantsche bei Flutlicht.

Engels: Ganz besonderen Goodwill demonstriert gerade der “Europäische Rat für Toleranz und Versöhnung”. Um der Diskriminierung wegen Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder sonst welcher Andersartigkeit entgegenzuwirken, sollen Scherze über entsprechende Gruppen als Verleumdung gewertet und als qualifizierte Straftat geahndet werden.

Marx: Qualifiziert?

Engels: Ich sag mal so – wenn Sie einen Blondinenwitz reißen, ist das eine einfache Straftat, wenn zehn Leute darüber lachen, ist das eine qualifizierte Straftat. Solche Humordemagogen sollen wiederum durch qualifizierte Umerziehungsmaßnahmen der EU den toleranten Witz lernen. Kein Witz!

Marx: Ach! Ich hätte gedacht, wenn eine Blondine einen Blondinenwitz reißt, ist das eine qualifizierte Straftat.

Engels: In jedem Fall harte Zeiten für Comedians. Überall lauert der Toleranzbeauftragte mit der Verleumdungskelle. Demnächst könnten Witze also so beginnen: Ein Bürger der Vereinten Nationen, ein Angehöriger der Sprachfamilie X und ein Vertreter der Ethnie Y sitzen in einem barrierefreien Gastronomiebetrieb…

Marx: Das ist ja fast so lustig wie die Begründungen für die Tabakrestriktionen! Damit soll der Tabakindustrie klar gemacht werden, dass ein guter EU-Bürger ja gar nicht rauchen will! Er weiß es nur nicht. Aber mittels Einheitsverpackung und Einheitsgeschmack aller Tabakprodukte soll es ihm dann einfallen. Pfeif auf Markenrechte…

Engels: Hauptsache wir tanzen alle nach EU-Pfeife. Ich schlage noch ein Belohnungssystem für Denunzianten vor, dann kann ich für den Tipp, dass Sie einen herkömmlichen Duschkopf besitzen noch ein paar Euro kassieren. Sie machen das Gleiche mit mir und von dem Geld trinken wir einen auf den Sozialismus Europäischer Prägung.

Marx: Aber vorher kämpfe ich für meine Freiheit, indem ich erst mal gemütlich eine Pfeife rauchen gehe.

Engels: Ich bin da ganz tolerant und folge, wenn’s recht ist.