Kolumne: Marx & Engels (Februar 2012)

Die Tabakproduktrichtlinie der Europäischen Kommission

„Noch Fragen, Marx?“ „Ja, Engels.“ Sie erinnern sich – so ähnlich begann der Dialog, der die scheinbar hochkomplexen Fragen der Politik auf das Niveau des täglichen Lebens brachte. Mit den im Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. (VdR) tatsächlich existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, haben wir dieses augenzwinkernde Zwiegespräch wieder belebt. Also heißt es jeden Monat an dieser Stelle…

kolumne-marx-engelsENGELS: Guten Tag Herr Marx! Was gibt’s Neues aus der Welt der Brüsseler Gutmenschen?

MARX: Ebenfalls guten Tag! Es wird Sie bestimmt freuen: Europa soll zur Nichtrauchergemeinschaft werden!

ENGELS: Ich bin immer wieder entzückt, wie Sie es verstehen Fremdbestimmung als Weltverbesserung auszulegen!

MARX: Es heißt hier zum Thema Tabakverpackungen: “Derzeit werden die Möglichkeiten für bessere Verbraucherinformation in Form von größeren und doppelseitigen Warnbildern geprüft.” Dann dürfte auch Ihnen der Spaß vergehen!

ENGELS: Herr Marx, wie Ihnen nicht entgangen sein dürfte, bin ich schon groß und vollkommen in der Lage selbst zu entscheiden, was gut oder nicht gut für mich ist. Das sieht übrigens aktuell ein US-Bezirksrichter genauso, indem er die Bildhinweise als Verstoß gegen die freie Meinungsäußerung beurteilt. Zu Recht. Derartige “Schockbilder” sind eine völlig uneffektive Maßnahme und allein dem eitlen Bestreben geschuldet, “political correctness” zu demonstrieren.

MARX: Nun, aber es ist doch sehr zu begrüßen, wenn sich Brüssel um unsere Gesundheit sorgt.

ENGELS: Verwechseln Sie bitte nicht Geborgenheit mit Überwachungsstaat. Aufklärung im Sinne des Jugendschutzes ist richtig – keine Frage, aber Diskriminierung persönlicher Entscheidungen erwachsener, selbstverantwortlicher Raucher geht zu weit.

MARX: Betrachten Sie es als Versuch der fürsorglichen Umerziehung aus Brüssel. Das ständige plakative Bombardement mit möglichen Risiken des Tabakkonsums dürfte dem Genuss zumindest sehr abträglich sein.

ENGELS: Etwas, das Genuss abträglich ist, ist per se schlecht. Menschen brauchen Genuss, denn es kennzeichnet die schönen Momente des Lebens. Das zeigt sich auch in der über 500-jährigen europäischen Tabakkultur. Kurzum, meines Wissens gibt es keine validen Studien aus Brüssel, die belegen, dass durch solch eine Bild-Offensive weniger geraucht wird. Davon abgesehen – würden Sie weniger Autofahren, wenn Ihr Wagen großformatig mit Unfallopfern bedruckt wäre?

MARX: Ich bin ein sehr verantwortungsvoller Fahrer. Das kann man doch überhaupt nicht vergleichen!

ENGELS: Durchaus! Jeder Mensch entscheidet täglich selbst inwieweit er Risiken eingeht, ob Stress, Junk-Food oder Alkohol. Haben Sie mal Ihren Cholesterinwert gefragt, was er von Ihrem fettigen Essen hält?

MARX: Sie können einen ganz verrückt machen mit Ihrer Schwarzmalerei! Ich werde meine Spiegeleier mit Speck am Morgen in Maßen genießen und dabei nicht an meinen Blutspiegel denken! So.

ENGELS: Aber Herr Marx, ich will Sie doch nur schützen! Nun, zumindest zeigt Ihr eigenes Beispiel, dass Bevormundung meist kontraproduktiv ist. Ein Viertel der erwachsenen Menschen hat sich aus freien Stücken für das Rauchen entschieden. Sie deshalb mit Horrorbildern zu belästigen, fördert höchstens die Kreativität. Mit kleinen Programmen aus dem Internet kann jeder ganz leicht seine Packung individuell gestalten. Vom Bildnis der Liebsten bis zu Fakten wie “Rauchen füllt die Staatskasse. Vielen Dank!“ – mit 14,4 Milliarden Euro in 2011 mein persönlicher Favorit.

MARX: Na gut, Sie beratungsresistenter Genussmensch! Dann machen Sie es doch wie Sie wollen. Wir sprechen uns noch!

ENGELS: Herr Marx, es war mir eine Freude, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, beziehungsweise gerade deswegen. Zum Abschied gebe ich Ihnen noch etwas von Winston Churchill mit auf den Weg…

MARX: Ja bitte?

ENGELS: Ein leidenschaftlicher Raucher, der immer von der Gefahr des Rauchens für die Gesundheit liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen.