Kolumne: Marx & Engels (Januar 2013)

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Na, Engels, noch Fragen?

Engels: Jede Menge, Marx. Zum Beispiel: Warum sind wir überhaupt noch hier?

Marx: Wo bitte sollten wir denn sonst sein?

Engels: Weg natürlich. Futsch. Geplatzt. Atomisiert. Im Nirgendwo. War nicht neulich von den Maya in Zusammenarbeit mit der „Bild“-Zeitung der Weltuntergang avisiert worden?

Marx: Aber daran haben Sie doch nicht wirklich geglaubt, werter Engels. Weltuntergänge wurden doch schon überreichlich angekündigt. Erst neulich habe ich am Tresen des Tabakhändlers meines Vertrauens eine humorige Broschüre mit einer Auflistung derselben gesehen. Inklusive der noch bevorstehenden: Die nächste Chance auf Weltuntergang kommt schon am 5. November dieses Jahres. Und wenn es wieder nicht klappt: Juli 2017, August 2033, Januar 2077. Die Maya sind untergegangen, die Titanic und der real existierende Sozialismus. Ansonsten sind Untergänge, speziell die der Welt als solcher, doch eher als rar anzusehen.

Engels: In diesem Punkt gebe ich Ihnen ja gerne Recht, Marx. Dennoch wird so manches, was unsere Welt heute ausmacht, doch als vom Untergang bedroht gesehen. Zum Beispiel das – Achtung: tolles Wort – Weltuntergangskommunikationsmedium Zeitung.

Marx: Ach, Engels, jetzt stimmen Sie auch noch in diesen Orakelchor ein. Nur weil eine – zugegeben tolle – lachsfarbene Zeitung, die sich zwar viel mit Geld beschäftigt, aber nie welches verdient hat, zugemacht wurde und eine andere gerade eine Nahtoderfahrung durchlebt. Ein Schicksal, das sie, nebenbei bemerkt, mit einer gewissen politischen Partei teilt. Ist Ihnen, lieber Engels, eigentlich bewusst, dass viel mehr neue Blätter auf den Markt kommen als eingestellt werden? Und dass bislang kein bestehendes Medium von einem neuen gänzlich abgelöst werden konnte – von der Höhlenmalerei mal abgesehen? Gedruckte Bücher, Rundfunk und Kino – alles immer noch am Leben. Als das Internet aufkam, wurde erst mal dem Fernsehen der Garaus prophezeit. Und jetzt soll die Zeitung dran sein? Da wird zwar viel und laut geblökt und gejammert, aber bis auf weiteres gilt: So lange es Frühstückstische gibt, wird es auch Zeitungen geben.

Engels: Warten wir’s ab, Marx, wir werden davon lesen. Aber manchem möchte man dennoch den Untergang geradezu wünschen.

Marx: Was meinen Sie, Engels?

Engels: Dem ein oder anderen Fernsehformat, speziell jenen, wo das Wort Format gänzlich unzutreffend ist. Castingshows wie „Das Supertalent“ oder „Germany’s next Top-Model“ zum Beispiel. Den Unterschichten-Dokus der Privaten oder den balzenden Bauern. Ich persönlich würde auch der einen oder anderen Polit-Talkshow den finalen Gang ins Archiv empfehlen.

Marx: Was sicher auch für den einen oder anderen Gast dort zutrifft. Speziell für Vertreter jener weltfernen bürokratischen Gleichschaltungsstelle namens EU-Kommission.

Engels: Zumindest aber ist deren Forderung, bis 2012 ein rauchfreies Europa zu schaffen, sang- und klanglos untergegangen, nicht wahr, Marx.

Marx: Da bekommt das Wort von der Lust am Untergang gleich eine tiefere Bedeutung. Ich jedenfalls habe jetzt Lust auf eine Selbstgedrehte. Machen Sie mit, Engels?