Kolumne: Marx & Engels (Januar 2014)

Neues Jahr, neues Glück

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. real existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Selbstverständlich, Marx. Was erwarten Sie von 2014?

Marx: Nichts.

Engels: Sie scheinen ja blendender Laune zu sein, Marx. Lassen Sie mich die Frage anders formulieren: Was erhoffen Sie sich für 2014?

Marx: Was wollen Sie hören, Engels? Frieden für die Welt, ausreichend Nahrung für alle, Erkenntnisse im Politikerdenken?

Engels: Die direkte Verbindung dieser drei Aussagen lässt mich aufmerken, Marx. Halten Sie Erkenntnisgewinn beim Politpersonal für derart illusorisch?

Marx: Lassen Sie mich ausnahmsweise mit einer Gegenfrage antworten, lieber Engels: Ist Ihnen unlängst das Christkind, respektive dessen kulturhistorischer Nachfolger, der Weihnachtsmann, begegnet? Ich für meinen Teil halte mich an Realitäten, und die geben zur Hoffnung wenig Anlass.

Engels: Aber Marx, warum so griesgrämig? Sollte man ein neues Jahr nicht mit positiven Gedanken und voller Hoffnung begrüßen? Wie der Philosoph Karl Jaspers es formulierte: „Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage.“ Ich für meinen Teil hoffe auf Freiraum.

Marx: Ziehen Sie um?

Engels: Ach Marx. Ich meine Freiraum für Individualität statt kleinlicher gesetzlicher Ordnungsmacht. Freiraum für Ideen und ihre Umsetzung. Freiraum für Neues, aber ebenso für Bestehendes. Für all jene etwa, die von der Politik so gern als Mittelstand und als Herz unserer Wirtschaft besungen werden – und in der nächsten Strophe wird die Reißleine noch ein bisschen stärker angezogen. Die Grenze zwischen Regulation und Strangulation ist inzwischen fließend.

Marx: Das, verehrter Engels, schlösse aber auch ein gewisses Maß an Pragmatismus mit ein, z.B. dass der Bürokratieapparat einfach mal laufen lässt und nicht von vorneherein alles besser weiß. Inklusive welche Genussgüter wir konsumieren dürfen und welche nicht.

Engels: Ich hoffe auf Pragmatismus, Marx, auf Augenmaß und Liberalität. Auf Volksvertreter, die den Mut haben, das Volk zu vertreten anstatt es zu bevormunden. Die das Vertrauen, das man ihnen in Wahlen geschenkt hat, endlich auch mal zurückgeben. Auf eine Bürokratie, die sich nicht als Selbstzweck, sondern als Diener ihres Souveräns, des Volkes, versteht.

Marx: Ach, Engels. Um gleich etwas Wind aus den aufgeblähten Segeln Ihrer Hoffnung zu nehmen: Unlängst hat der EU-Kommissionspräsident Barroso in einer Art vorgezogener Neujahrsansprache verkündet, Brüssel werde sich künftig nicht mehr im Kleinklein der Gurkenkrümmung ergehen, sondern im Großen und Ganzen denken …

Engels: … und keine Woche später wurden die Pläne für eine EU-weite Normierung von Toilettenspülkästen publik, ich weiß, Marx. Aber soll ich wegen eines aufgeblähten Behördenapparates, der sich fern jeder Realität im Regulierungswahn suhlt, alle Hoffnung fahren lassen?

Marx: Um auch ein Zitat in unser Gespräch zu bringen, ich halte mich da an Rudolf Augstein. Der sagte: „Hoffen ist gut, doch nicht zu hoffen ist Verstand.“

Engels: Haben Sie denn gar kein Bauchgefühl, Marx?

Marx: Doch, und das sagt mir, dass ich jetzt eine rauche. Soll ich Ihnen auch eine drehen?

Engels: Das will ich doch hoffen!