Kolumne: Marx & Engels (Juli 2012)

Was von der Fußball-EM für die Nachwelt bleibt

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz-Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Aber klar doch, Marx. Was ist denn bei Ihnen hängengeblieben von dieser Europameisterschaft?

Marx: Ich würde sagen, für mich war es die EM der Suggestion.

Engels: Wie darf ich denn das verstehen, Marx?

Marx: Nun, denken Sie doch zum Beispiel an die Übertragung der Deutschland Spiele gegen Dänemark und Italien: Jogi Löw und der Balljunge oder die Träne eines weiblichen Deutschland Fan nach dem 2:0 für die Italiener. Da wurde suggeriert, die Szenen wären live, dabei waren sie aus der Konserve. Das ZDF suggerierte, die Ferieninsel Usedom hätte was mit Fußball zu tun. Da kann ich nur sagen, mit dem Zweiten sieht man woanders hin. Und dann die Torrichter, die Suggestion von sportlicher Gerechtigkeit. Wo haben die eigentlich hingesehen? Dass die ein Tor bemerken würden, wenn das Netz nicht flattert, oder dass sie ein Foul im Strafraum sehen, wenn kein Blut spritzt, daran glauben doch nur mehr die Herren Platini und Blatter.

Engels: Das erinnert mich an die Politik, Marx. Auch die besteht ja zu großen Teilen aus Suggestion. Denken Sie nur an die Energiewende. Da wird uns suggeriert, in zehn Jahren könnten wir aus der Atomenergie ausgestiegen sein. Der Strom kommt ja ohne Zweifel noch aus der Steckdose. Aber womit wir dann den Strom produzieren, weiß heute noch keiner so genau. Da existiert nicht mal ein Plan. Wollen wir wetten, dass wir in fünf Jahren wieder über eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken diskutieren?

Marx: Einen Teufel werde ich tun und dagegen wetten, Engels. Aber apropos Politik: Haben Sie in den Fernsehbildern aus den Stadien irgendein Plakat gegen die ukrainische Regierung bemerkt? Die waren aber da, wird glaubhaft berichtet. Nur wurden diese Szenen von den Tribünen nicht gezeigt. Auch das ist bekanntlich Suggestion – etwas nicht zu zeigen.

Engels: Ich tue es ja nur ungern, Marx, aber da muss ich Ihnen ausnahmsweise Recht geben. Die Ukraine suggerierte, sie sei ein ganz normaler Staat. Allerdings hat sie das zuvor offenbar schon lange und überzeugend getan. Unseren Politikern jedenfalls scheint erst pünktlich zur EM aufgefallen zu sein, dass es dort nicht mit rechtsstaatlichen Dingen zugeht. Ebenso parteiübergreifend wie populistisch haben sie sich doch kurz vorm Anpfiff über die Zustände im Reich des Herrn Janukowitsch empört. Es muss hart gewesen sein, die diversen Dienstreisen nicht anzutreten. Die Logen in den ukrainischen Stadien sollen doch westlichen Standards entsprechen.

Marx: Ach, Engels, die Glaubwürdigkeit unserer Volksvertreter ähnelt mitunter der von Tierorakeln. Was im Übrigen auch für ihre Strahlkraft gilt. Nicht von ungefähr sucht die Kanzlerin so beständig die Nähe unserer Nationalmannschaft.

Engels: Stimmt, Marx. Die genießt mittlerweile große Sympathie in aller Welt. Der Kanzlerin hingegen wird viel nachgesagt, außer dass sie bei unseren südlichen Nachbarn beliebt sei.

Marx: Erinnern Sie sich noch an die Griechen? Deren Medien suggerierten, das Viertelfinale sei ein Rachefeldzug gegen Merkel? Und? Was war? Alternativlos – chancenlos. Aber wenigstens waren die Griechen nicht nachtragend. Es gibt ja Siege, von denen man sagt, sie seien teuer erkauft. Der war’s nicht. Zumindest nicht auf dem Fußballplatz.

Engels: Ach, Sie denken an die Spanier, die aufs Betreuungsgeld für ihre Banken warten, und die Italiener, die noch das Antragsformular suchen, Marx? Ausgerechnet die Italiener! Da möchte man die alte Werbung mit dem HB-Männchen reaktivieren – nur nicht in die Luft gehen.

Marx: Wir haben uns ausgiebig selbst suggeriert, wir könnten gegen Italien endlich mal bei einem großen Turnier gewinnen. Was lernen wir daraus? Suggestion kann auch nach hinten losgehen.

Engels: Jaja, erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Von wem stammt dieser denkwürdige Ausspruch, Marx?

Marx: Jürgen Wegmann. Hab ich vorhin schon gegoogelt. Aber so blieb der Kanzlerin wenigstens der politisch pikante Trip zum Finale in die Ukraine erspart. Hat alles ja auch sein Gutes. Sollen wir über den Trainer diskutieren, Engels?

Engels: Nö, das überlassen wir anderen. Wir gehen jetzt eine rauchen. Eine Siegespfeife wäre mir zwar lieber gewesen, aber eine Selbstgedrehte tut’s auch.

Marx: Wer hat eigentlich die EM gewonnen?