Kolumne: Marx & Engels (Juli 2014)

Briten denken an EU-Austritt

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Selbstredend, Marx. Müssen wir uns Sorgen um die Briten machen

Marx: Meinen Sie das Essen, das Wetter oder den Fußball?

Engels: Die erscheinen mir allesamt unrettbar verloren. Nein, ich meine vielmehr ihren Verbleib in der EU. Machen die Briten Ernst und verlassen uns tatsächlich? Ich fände das höchst bedauerlich.

Marx: In der Tat, Engels. Auch ich würde ein bedingungsloses Plädoyer für ihren Verbleib halten. Ich sage nur: Musik, Mode, Monty Python. Zudem ist der Einfluss staubtrockenen und zum Teil schrulligen Humors auf das allgemeine Wohlbefinden nicht hoch genug einzuschätzen.

Engels: Aus Gründen der Fairness – eine zutiefst britische Eigenschaft außerhalb von Wembley – sei angemerkt, dass sie notorisch auf der falschen Straßenseite fahren, Pommes Frites in Essig tränken und im Urlaub die Liegestühle noch früher als wir Deutschen mit ihrem Handtuch belegen, worauf sie sich anschließend einen noch übleren Sonnenbrand holen.

Marx: Aber gerade dafür lieben wir sie doch, Engels. Die Briten verkörpern weltoffene Ignoranz. Und sie haben eine unschätzbare Eigenschaft: Sie können über sich selbst lachen. Ich gestehe, dass ich angesichts eines möglichen Verlustes der Insel mitsamt ihrer seltsamen, aber sympathischen Bewohner ein gewisses europäisches Gefühl in mir entdecke. Irgendwie stehen mir meine Miteuropäer, egal aus welcher Himmelsrichtung, inzwischen doch nahe. Ich fühle mich bereichert – auch wenn eine nur als neurotisch zu bezeichnende Bürokratie in Brüssel alles tut, das zu verhindern.

Engels: Im Fall unserer britischen Freunde sollten gerade wir beide nicht vergessen, dass sie auch für die Kultivierung des Pfeiferauchens stehen. Und für den vergeblichen Kampf gegen den freien Tabakkonsum.

Marx: Inwiefern letzteres?

Engels: Im Jahr 1603 verfasste der damalige König Jacob I. eine Streitschrift gegen den Tabak, in der er seine individuelle Abscheu gegenüber den – Achtung: Zitat – „ausschweifenden und liederlichen“ Rauchern zum Ausdruck brachte. Anschließend erhöhte er die Zölle auf Tabak um 400 Prozent. Und was geschah? Der Schmuggel blühte auf, die königlichen Einnahmen gingen in den Keller. Fünf Jahre später wurde der Zoll wieder aufgehoben. Und was lehrt uns das?

Marx: Dass sich Geschichte auf gewisse Weise wohl doch wiederholt. Also lassen Sie uns heute zu Ehren der Briten ein Pfeifchen stopfen und eine Tasse Tee trinken.

Engels: Unter einer Voraussetzung.

Marx: Welcher?

Engels: Bitte ohne Milch!