Kolumne: Marx & Engels (Juni 2012)

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz-Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf die Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Ja, Marx. Seit 2010 ist Deutschland sozusagen das Sparschwein Europas. Aber wo genau werden die bis 2014 avisierten 80 Milliarden des bundesdeutschen Sparpaketes eigentlich eingespart?

Marx: Da müssen Sie mal die Politiker fragen. Aber erwarten Sie keine Antworten. Auf Fragen nach konkreten Sparmaßnahmen wird je nach politischem Lager lediglich aufgezählt, wo man nicht sparen wolle. Ist einfach publikumswirksamer.

Engels: Gewählte Volksvertreter – und diese Spezies ist weltweit scheinbar gleich – wissen genau: Verbindliche Aussagen sind angreifbar, und wir haben ja gerade gesehen, wie schnell Karrieren heute zu Ende gehen. Die Mutigen lehnen sich dennoch aus dem Fenster und deuten zumindest ein Ressort an, in dem unter Umständen eventuell Einsparungen denkbar wären, ohne den eigenen Haushalt für das kommende Haushaltsjahr zu beschädigen.

Marx: Man erkennt solche Nachrichten daran, dass sie mit dem Satz enden: “Die Opposition und die Gewerkschaften haben Widerspruch angekündigt!“

Engels: Da lobe ich mir doch die Städteinitiativen, die ihre Bürger und Steuerzahler um Sparvorschläge bitten, anstatt wie in Bonn eine Sexsteuer an einem umgebauten Parkautomaten einzuführen. Das schürt den Gemeinschaftssinn und bringt so schöne Ideen wie ‘Keine steuerfinanzierten Kränze für Ehrengräber’ und ‘Gebühren für Wildpinkler’ in Köln oder Landshut, oder gleich ‘Politiker und Beamte einsparen durch Zusammenlegen der Bezirksämter’ in Solingen. Beim Vorschlag ‘Kein Eintrittsgeld mehr für Discos’ wurde der Spargedanke allerdings falsch verstanden.

Engels: Wobei wir bei Merkels Sparkurs contra Francois Hollandes Wachstum wären. Obama ist da ja ganz beim Franzosen. Ein Haufen Pfennigfuchser bringen ihm jetzt nichts. Aber er regiert jetzt und was schert’s ihn später, ob wir bis zum Sankt Nimmerleinstag in der Schuldenhölle in netter Gesellschaft seiner vielen politischen Vorgänger schmoren.

Marx: Ach, diese Polarisierung der Medien ist doch irreführend, denn selbstverständlich wollen alle Wachstum. Wenn ich nicht ständig betone, dass ich für Frieden bin, heißt das nicht, dass ich für Krieg bin.

Engels: Europäisch gedacht, ist Sparen schwer schmackhaft zu machen, solange griechische Arbeitnehmer noch Boni für das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz und griechische Forstarbeiter Zuschläge für das Arbeiten im Freien bekommen oder
Griechenland Hilfsgelder der EU in die militärische Aufrüstung steckt. Im griechischen Etat für 2012 ist nämlich vorgesehen, die Ausgaben für den Verteidigungshaushalt um 200 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro anzuheben.
Wenn man in einem Boot sitzt, sollte dann nicht Gleichberechtigung herrschen? Was kann Europa dafür, dass ‘Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not’ nie ins Griechische übersetzt wurde?

Marx: Tja, das Etikett ‘Selber Schuld’ senkt die Geberlaune der Mitreisenden EU-Passagiere doch erheblich. Und so muss auch Herr Tsipras in Griechenland feststellen: Die Hosen, die Angela Merkel trägt, das sind keine Spendierhosen! In der Konsequenz lehnt sie die Einführung der Eurobonds ab und dies – man höre und staune – im Einklang mit der Opposition!

Engels: Ach schön, wenn sich auch mal alle vertragen!

Marx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Natürlich, Marx. Sparen wir uns weitere Worte und gehen eine rauchen? Selbstgedreht und in Deutschland versteuert, versteht sich!