Kolumne: Marx & Engels (März 2013)

Der letzte Schrei: iBrain – denken mit dem eigenen Hirn!

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Natürlich. Ist es nicht ein Wunder, dass wir überhaupt noch was zu tun haben? Android, iPhone, iPad und Co – wir können immer und überall sofort reagieren. Der technische Fortschritt arbeitet unentwegt daran, unsere kostbare Zeit zu sparen.

Marx: Diese Zeit brauchen wir auch, um uns mit neuen Betriebssystemen rumzuärgern, Viren zu bekämpfen und den Social-Networks-Müll zu entsorgen. Vor lauter Messenger, What’s App oder sprachgesteuerter SMS vergisst man, dass es auch ein Leben vor dem Smartphone gab. Ein Leben, in dem man direkt mit anderen Menschen geredet hat. So ein Old-Fashioned-Gespräch bietet viele Highlights: Echtzeit-Talk, Live-Bild und reale Emoticons!

Engels: Hauptsache man redet überhaupt noch miteinander! Kommunikation ist der einzige Weg zum Konsens.

Marx: Können Sie das bitte der EU-Kommission erklären, die der Tabakindustrie und damit den Rauchern schlicht ein Redeverbot erteilt?

Engels: Unterdrückung Andersdenkender ist von jeher ein bequemes diktatorisches Instrument. Aber selbst, wer sich effizient wehren will, muss technisch up-to-date sein. ‘Fax’ klingt für die Jugend so wie ‘telegraphieren’ für uns – vorsintflutlich langsam. Da lobe ich mir eine schnelle E-Mail. In der gewonnenen Zeit kann man dann noch mehr Arbeit erledigen, bekommt Burnout, tritt eben einer Slow-Food-Organisation bei oder meditiert. Wenn man dazu keine Zeit hat, lädt man sich Entspannungs-Apps runter oder trinkt ein virtuelles Bier. Ist doch genial, wie das System aus seinem Schaden gleich eine neue Industrie macht.

Marx: Warum haben Sie eigentlich keine iLife-App? Da geben Sie Beruf, Familienstand und Anzahl der Kinder ein, und schon wird Ihr Leben organisiert. Ach ja, und dann brauchen Sie noch eine App-App, die ihre Apps organisiert.

Engels: Sehen Sie doch mal den Nutzwert von Apps wie ‘weird facts’!

Marx: Erfahre ich da, warum man Feinschnitt nicht mehr in runden Dosen verpacken dürfen soll? Oder ob bald auch Dosensuppen auf dem Index stehen und Softdrinks nicht mehr in runden Dosen, sondern nur noch in quadratischen Trinkschläuchen erhältlich sein werden?

Engels: Natürlich nicht! Das mit den Dosen versteht kein Mensch. Aber dass die Kinder Nordamerikas jährlich eine halbe Milliarde Dollar für Kaugummi ausgeben. Hätten Sie’s gewusst? Nein? Na, sehen Sie! Die Spannung kommt aber auch nicht zu kurz. Bei ‘iDragPaper’ können wir um die Wette Toilettenpapier abrollen. Wenn Ihnen das zu aufregend ist, können Sie aber auch ‘HoldOn’ spielen. Dabei müssen Sie nur solange es geht einen virtuellen Knopf drücken. Noch schlichter aber genial ist ‘I Am Rich’, bietet nichts, kostet aber 1.000 Dollar.

Marx: Andersrum wäre es mir lieber. Nun, aber was, wenn Sie ihr Handy mal vergessen?

Engels: Dann bin ich natürlich nackt, handlungsunfähig und einsam. Um das Hardwareproblem zu umgehen, warte ich sehnsüchtig auf das erste ‘i-Implant’– sozusagen mein ‘Ich’ direkt in mir! Updates könnte man dann einfach essen und sie installieren sich selbst.

Marx: Dann darf ich Sie aber R2D2 nennen, ja?

Engels: Was spricht dagegen, sich mit künstlicher Intelligenz leistungsfähiger und schneller zu machen?

Marx: Dass das Tempo des technologischen Fortschritts die Gesellschaft in gestresste Leistungsfraktion und geläuterte Entschleunigungsfreaks teilt. Sie haben also die Wahl zwischen Herzinfarkt oder ahnungslosem Dahindämmern.

Engels: Ja, gibt es denn nichts zwischen Akkord und Zeitlupe?

Marx: Doch natürlich! Ab und zu mal gemütlich eine rauchen gehen und dabei ganz entspannt darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist…

Engels: Überredet.