Kolumne: Marx & Engels (Mai 2012)

Von afghanischen Hühnern und griechischen Wahlkämpfern

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. (VdR) tatsächlich existenten Herren Franz-Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens. Heute: Was mit unseren Steuergeldern alles bezahlt wird.

kolumne-marx-engelsMarx: “Noch Fragen, Engels?”

Engels: Ja, Marx! Sagen Sie, wie geht es Ihnen eigentlich mit Griechenland? Schon gehört: Dort tobt jetzt nicht nur der wirtschaftliche Überlebens-, sondern zudem auch noch der politische Wahlkampf?

Marx: Tag, Engels, und? Selbst Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass Griechenland die Wiege der Demokratie ist. Warum sollen denn ausgerechnet die gebeutelten Griechen nicht wählen dürfen?

Engels: Nichts gegen Demokratie, Marx. Wie sagt man so schön: Wir kennen eben nichts Besseres. Aber müssen die Griechen ausgerechnet jetzt wählen? Angesichts der momentanen Stimmungslage dort tritt ein Sammelsurium von teils obskuren Parteien an, das sich Demokratie nicht wirklich oben auf die Fahnen geschrieben hat. Das alte Zwei-Parteien-System hat abgewirtschaftet, lieber Marx, vermutlich zu Recht, und jetzt wittern Splitterparteien Morgenluft.

Marx: Ach, Engels, vermutlich wittern Sie nur wieder Ungemach, wo nicht wirklich eines ist. Mich interessiert in dem Zusammenhang eine ganz andere Frage: Wie finanzieren die Parteien eigentlich ihren Wahlkampf?

Engels: Was glauben Sie denn, Marx? Mit Geldern aus dem EU-Hilfsfonds natürlich, also mit unseren Steuergeldern. Die Regierung in Athen hat 29 Millionen Euro aus der Staatskasse dafür freigegeben. Bemerkenswert ist dabei, dass die Kosten der Wahl gemessen am Steueraufkommen in Griechenland sechsmal so hoch sind wie in Deutschland. Das hat der Verband der griechischen Steuerzahler – doch, den gibt es – errechnet. Alles klar, Marx?

Marx: Mitnichten, Engels. Was sagt Brüssel eigentlich dazu? Engels: Man gibt sich verärgert und murrt. Marx: Warum? Die ebenso merk- wie fragwürdige Verwendung von Steuergeldern hat doch Tradition?

Engels: Wie meinen Sie das nun wieder, Marx?

Marx: Nun, Engels, nehmen Sie zum Beispiel die Tabaksteuer, die ja in regelmäßigen Abständen immer wieder ordentlich erhöht wird. Nach dem 11. September 2011 lautete die Begründung dafür, dass man so zusätzliche Mittel im Kampf gegen den Terror aufbringe müsse. Tatsächlich wurden damit Hühnerfarmen in Afghanistan gebaut. Die Gelder aus der Erhöhung 2003/2004 flossen ins Mutterschaftsgeld. Und mit den Einnahmen aus der jüngsten Erhöhung werden so genannte energieintensive Betriebe entlastet, damit sie weniger Ökosteuer zahlen müssen. Alles klar, Engels?

Engels: Sie meinen, ich rauche gewissermaßen für lauter gute Zwecke, Marx? Dann tue ich es ja doppelt so gerne!

Marx: Sie rauchen nicht nur dafür, Engels. Mit der jedem Liter Mineralöl subventionieren Sie die Milcherzeugung. Und mit der Sektsteuer bezahlen Sie nach wie vor die Kriegsmarine von Kaiser Wilhelm II. Der Einwand, dass diese nachweislich längst auf dem Meeresgrund liegt, gilt übrigens nicht. Noch Fragen, Engels?

Engels: Natürlich, Marx. Gehen wir eine rauchen? Am Ende retten wir damit Griechenland und die EU!