Kolumne: Marx & Engels (Mai 2014)

Draußen nur Kännchen!

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Gewiss, Marx. Schon mal von Tracking & Tracing gehört?

Marx: Sind das Cousins von Tick, Trick und Track?

Engels: Bleiben Sie ernst, Marx. Das ist der neueste Clou unserer geschätzten EU-Bürokratie zur Bekämpfung des Tabakschmuggels. Jedes einzelne Tabakprodukt muss in Zukunft von der Herstellung bis hin zum Verkäufer elektronisch verfolgbar sein. Inklusive Maschine und Arbeitsschicht, geplantem Versandweg sowie tatsächlichem Versandweg bis zur Verkaufsstelle. Nur die Steueridentifikationsnummer fehlt noch, um das System EU-wasserdicht zu halten – Big Brother is watching you!

Marx: Heißt das, ich kaufe meinen Pfeifentabak künftig in einen Computerchip verpackt? Und sein Weg vom Hersteller zu mir wird per Satellit überwacht? Muss ich beim Rauchen Drohnenangriffe aufgrund von Softwarefehlern befürchten?

Engels: Kann sein, kann nicht sein. Zwar ist die Maßgabe beschlossen, ihre Durchführung jedoch noch komplett offen. Ihr Tabakhändler wird wohl mit einem Lesegerät ausgestattet werden und einen Lehrgang machen müssen, selbstredend auf Kosten der Hersteller. Man weiß nur, dass es in fünf Jahren losgehen soll.

Marx: Aber warum soll ausgerechnet der Betrogene, also der Tabakhersteller, mit hohem Aufwand und großen Kosten nachweisen, dass er nicht betrügt? Und: Inwiefern sollte Tracking & Tracing Tabakschmuggler in irgendeiner Weise interessieren und von ihrem Tun abhalten?

Engels: Gute Fragen, Marx. Leider kann ich sie nicht beantworten.

Marx: Aha. Zum Thema „gut durchdacht“ habe ich aber auch noch was für Sie, Engels. Da trifft es die Kaffeetrinker. Um Strom zu sparen, sollen sich die Heizplatten von Kaffeemaschinen künftig nach 30 Minuten abschalten. Wer zu spät kommt, den bestrafen das Leben und die EU-Kommission mittels Verabreichung kalten Kaffees. Bisher bestrafte es ihn nur mit zwei Stunden alter Plörre. Wobei es interessant wäre zu klären, ob eine Heizplatte mehr Strom verbraucht oder eine künftig doppelt und dreifach so oft in Betrieb genommene Kaffeemaschine. Und wie viele Kraftwerke man europaweit abschalten kann, wenn der Kaffee kalt ist.

Engels: Mindestens ebenso interessant wie zu erfahren, wer heutzutage eigentlich noch Filterkaffee aus solch einer Maschine trinkt? Europa ist doch zumindest in dem Punkt vollends geeint, dass es Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato schlürft. Und wenn schon eine Tasse Kaffee, dann bitteschön als Pad oder Kapsel frisch gebraut. Echtes Einsparpotenzial ergibt sich vermutlich vor allem in jenen zweifelhaften Etablissements, die in fernen Ferienregionen „Deutschen Kaffee“ anpreisen.

Marx: Der Begriff vom kleinsten gemeinsamen Nenner bekommt durch derlei Vorschriften eine ganz neue Bedeutung – es offenbart sich eine gewisse minimalistische Denkweise und -leistung: Wir machen mal, dann sehen wir schon. Europa ist eine großartige Idee und Chance, es hat mehr verdient als unausgegorene Gedankenspiele eines Kaffeekränzchens.

Engels: Eine Frage hätte ich dann doch noch, Marx. Wenn es künftig heißt, „Draußen nur Kännchen“, muss dieses dann auch von der Maschine bis zum Empfänger elektronisch verfolgbar sein?

Marx: Ach Engels, da hilft nur noch eine Denkpause. Nehmen wir einen Cappuccino oder Espresso zur Selbstgedrehten?