Kolumne: Marx & Engels (November 2012)

Kuriositäten aus dem Süden

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz-Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsEngels: Na Marx, noch Fragen?

Marx: Aber natürlich, Engels. Warum ticken die im Süden anders als der Rest der Welt?

Engels: Ach Marx, jetzt kommen Sie mir nicht wieder mit Griechen, Italienern und Spaniern. Die sind doch zur Genüge durchgekaut.

Marx: Lieber Engels, ich spreche von Bayern und Österreichern, genauer gesagt, den Politiktreibenden dort. Warum scheint mitunter dem einen oder der anderen jenes Fingerspitzengefühl zu fehlen, das vermittelt, die Politik hätte zumindest einen Restsinn für Realitäten.

Engels: Klären Sie mich auf, Marx, in welche Sphären streben Ihre Gedanken gerade?

Marx: Na, nehme Sie doch dieses hausgemachte Alkoholproblem der bayerischen Staatsregierung. Da durften nach dem offiziellen Ladenschluss um 20 Uhr nur mehr Autofahrer an Tankstellen einkaufen, keine Fußgänger oder Radfahrer. Weil Tankstellen nur an Reisende verkaufen dürfen. Wer also noch ein Päckchen Tabak oder eine Flasche Bier wollte, musste sich ins Auto setzen und die 150 Meter weite Reise zur nächsten Tankstelle antreten. Alkohol nur für Autofahrer – da klopfte sich die Republik doch zu Recht die Schenkel wund.

Engels: Bleiben Sie gerecht, Marx. Das Gesetz wurde nachgebessert, so lange, bis nach vier Monaten die Kuh vom Eis, respektive von der Tanke geschubst war. Jetzt sind vor dem Gesetz wieder alle Trinker gleich. Bis 22 Uhr. Danach gibt es nichts mehr an bayerischen Tankstellen.

Marx: Das glauben Sie, lieber Engels, und die weiß-blaue Regierung. Denn dieser „wichtige Beitrag gegen Alkoholmissbrauch auch durch Jugendliche“, so nennt es das bayerische Sozialministerium, ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Tankstellenbetreiber. Also das Papier nicht wert, auf dem sie steht. Auch eine freiwillige Selbstverpflichtung von Politikern, künftig den gesunden Menschenverstand in Denkvorgänge mit einzubeziehen, würde uns vor manchen Absonderlichkeiten nicht bewahren, lieber Engels.

Engels: Wenn wir kleinlich wären, Marx, könnten wir auch die Frage stellen, warum in der Heimat des Oktoberfestes, wo die Bierzelte morgens um neun Uhr öffnen und um 9.15 Uhr wegen Überfüllung schließen, der Alkoholmissbrauchs zuvorderst an Tankstellen bekämpft werden muss. Aber wir sind ja zum Glück nicht kleinlich.

Marx: Eben. Auch nicht bei jenem Kärntner Gesundheitsreferenten, der den alten EU-Plan vom Rauchverbot im Auto wieder rausgekramt hat. Er sieht dadurch ein erhöhtes Risiko der Unaufmerksamkeit im Verkehr. Was für Navigationsgeräte, Radios oder sonstige Schalter und Knöpfe im Auto natürlich nicht gilt.

Engels: Konsequenterweise müsste man dann in Österreich nur mehr mit Automatikgetriebe fahren dürfen. Und selbstverständlich ohne womöglich ablenkende Mitfahrer im Auto.

Marx: Weiter denken, Engels! Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Konsequenterweise wäre die nächste Stufe das Rauchverbot zuhause. Wurde ja auch schon angedacht. Aber die wesentliche Frage ist doch: Wer überwacht das alles? Da bekommen Worte wie „Schnüffler“ oder „Rauchmelder“ eine ganz neue Bedeutung.

Engels: Sehen Sie, Marx, aus dem Süden kommen doch immer wieder erquickende Meldungen.

Marx: So wie die, dass es unlängst Feueralarm im österreichischen Parlament gab. Weil ein Abgeordneter auf der Toilette rauchte. Er hat dabei aber wenigstens nachweislich nicht in seinem Auto gesessen.

Engels: Wissen Sie, Marx, es soll ja immer noch Leute geben, die von der Alpenrepublik träumen. Die sollen mal froh sein, dass es nie so weit kommt.

Marx: Auf so viel Amusement hin haben wir uns eine Rauchpause verdient, was meinen Sie, Engels?

Engels: Klar, aber nur mit in Deutschland versteuerten Produkten.