Kolumne: Marx & Engels (November 2013)

Verbote verbieten ist verboten!

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. real existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Selbstverständlich. Wissen Sie eigentlich, dass wohlmeinendes Erlauben bei Wahlen kontraproduktiv ist? Denn nur Verbote schaffen politisches Profil und stärken die Persönlichkeit. Ergo bemisst sich die Macht eines Politikers daran, wie viel er verbieten kann!

Marx: Tja, Gutes zu fördern ist leider anstrengender als vermeintlich Böses zu verbieten.

Engels: Sie sagen es! Kriege schlichten, Schulden abbauen, Bildung fördern – alles zu komplex. Nein, man muss den Menschen da abholen, wo es wirklich weh tut. Im Alltag. Im letzten Wahlkampf ging’s mit ein paar echten Verbots-Knüllern in die Schlacht: Paintball-Verbot, Love-Mobile-Verbot, DDR-Folklore-Verbot und Big Brother-Verbot. Die Ökos haben mit Verboten von Fleisch, Plastiktüten und der 1. Klasse bei der Bahn gekontert. Ach ja, und das Schnittblumenverbot. Stellen Sie sich vor, dass ihnen mal eben die Füße abgeschnitten werden!

Marx: Das geht ans Herz, das menschelt.

Engels: In Berlin hat ein besonders fleißiger Weltverbesserer sogar ein Weihnachtsverbot für Friedrichshain erwirkt. Das gibt wieder Punkte auf der Bekanntheitsskala!

Marx: Verbieten will allerdings gelernt sein. Baden Württemberg übt zum Beispiel mit einem Nachtangelverbot. Der kleine Nemo soll schließlich seine Nachtruhe genießen. Erst wenn er schön ausgeschlafen noch mal herzhaft gähnt, kommt der Haken an der Sache. Das nenne ich ein Herz für Fische.

Engels: Tja, so funktioniert das Spiel. Nicht zu vergessen, dass Verbote auch für mehr Beschäftigung sorgen! Denken Sie nur an Kontrolleure, Ankläger, Richter sowie Petzer und Spione.

Marx: Super! Einfach mal neu definieren, was Freiheit, soziales Verhalten und Genuss sind und alles andere verbieten! Ob das Sinn macht oder nur soziale Unruhe bringt – egal. Hauptsache, Aufmerksamkeit erringen und gewählt werden. Aber was ist danach mit den versprochenen Verboten?

Engels: Nun mal nicht Wahlkampfwerkzeuge mit Umsetzung verwechseln. Wie viele Leute interessiert denn eine abgewrackte Paintball-Halle oder ob sich ein paar Unbelehrbare DDR-Abzeichen ans Revers heften? Das Love-Mobile kann man notfalls in Sexual-Fahrzeug umbenennen. Für die Auseinandersetzung mit den Big Brother-Produzenten wird ein Buchhalter abgestellt, der so lange Aufforderungen schreibt, bis das Format ganz natürlich ausgelaufen ist. Rechnet man die Vegetarier mit rein, ist das Ziel eines fleischlosen Tages statistisch bereits erreicht und Schnittblumen – das kann man ja wie einen Unfall aussehen lassen.

Marx: Richtig ernst wird es erst, wenn es ums Überleben einer ganzen Industrie und vor allem um freie Selbstbestimmung mündiger Bürger geht. Der neue EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg, hat mit der “Tabakproduktrichtlinie” gleich einen Berg von Verboten geerbt. Warnhinweise, Schockbilder, Mentholverbot – sozusagen als Startkapital. Hier startet ein gigantischer Bevormundungsapparat, der uns morgen sagt, was wir essen, anziehen und denken sollen…

Engels: Sie machen mir Angst! Ich sehne mich nach einem gemütlichen, freiheits- und verantwortungsbewussten Raum.

Marx: Da herrschen sicher Chaos, Verbrechen und Exzess?

Engels: Nicht ganz. Aber man kann in der Lounge ganz entspannt eine Selbstgedrehte rauchen…