Kolumne: Marx & Engels (Oktober 2013)

In Lebensgefahr

Marx und Engels bringen es auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. real existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, werfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens.

kolumne-marx-engelsMarx: Noch Fragen, Engels?

Engels: Klar, Marx. Warum sind viele Brüsseler EU-Bürokraten eigentlich nicht fähig, Dinge konsequent zu Ende zu denken?

Marx: Grundsätzlich würde ich ja eher die Frage stellen, ob die Angesprochenen überhaupt in ausreichendem Maße denkfähig sind. Aber was haben Sie konkret im Sinn, Engels?

Engels: Die neue Tabakproduktrichtlinie natürlich, mit ihrer widersinnigen Geschmacksgleichschaltung und ihren hysterischen Warnhinweisen. Ob und was ich rauche, ist doch die freie Entscheidung eines mündigen Bürgers. Grundsätzlich wünsche ich nicht, dass die Bürokratie meine persönlichen Entscheidungen kommentiert. Das könnte sie zudem auch noch in vielen anderen Bereichen des Lebens tun – unterlässt es aus unerfindlichen Gründen aber.

Marx: Erklären Sie sich, Engels: Wo könnte sich Brüssel denn noch einmischen?

Engels: Zum Beispiel beim Autofahren. Zweifellos eine hochriskante Angelegenheit, die mit hohen finanziellen Verlusten, schlimmsten Verletzungen oder gar dem Tod enden kann. Warum werden die Bürger nicht darauf hingewiesen, bevor sie in ein Fahrzeug steigen? Zum Beispiel mit Abbildungen von Unfallszenarien oder Totalschäden an den Türen. Die Größe könnte je nach PS-Stärke oder Material und Gewicht der Stoßstange variieren. Und adäquat müsste natürlich mit allen anderen Verkehrsmitteln verfahren werden.

Marx: Konsequent gedacht, Engels. Ein Verkehrsmittel kommt mir da spontan in den Sinn: Speziell auf Fahrrädern sollte das Foto eines offenen Unterschenkelbruchs vor den Folgen der Benutzung warnen. Überhaupt das weite Feld des Sports. Gehört nicht auf jeden Fußball als Warnung das Bild von Ewald Lienen einst, dem der Gegenspieler den Oberschenkel aufschlitzte? Und auf jeden Ski ein verdrehtes Knie? Von Drachenfliegern und Kite-Surfern will ich jetzt gar nicht reden.

Engels: Völlig unverständlich ist auch, warum die EU ihre Bürger nicht besser auf die Schädlichkeit des Zuckerkonsums hinweist. Zum Beispiel mit Karies-Dokumentationen auf Schokoladentafeln und Abbildungen adipöser Zuckeropfer auf Limonadenflaschen. An Konditoreien sollte eine Kombination aus beidem im Schaufenster angebracht sein. Zum Schutz des weiblichen Geschlechts und deren Finanzen müsste dringend vor bunten Auslagen in Schuhgeschäften gewarnt werden. Finden Sie nicht?

Marx: Brüssel lässt uns tatsächlich sträflich allein im Leben. Da gäbe es noch jede Menge zu tun. Ein dicker Bauch oder das Porträt des Verlierers einer Kneipenschlägerei gehört auf jede Bier- und Weinflasche. Und im Restaurant sollte bei der Bestellung eines Steaks jeder Kellner verpflichtet sein, auf die dadurch erhöhte Gefahr von Gicht hinzuweisen. Ach, es fallen mir noch tausende Beispiele ein.

Engels: Im Grunde ist es eines der großen Rätsel der Menschheit, wie es ihr gelungen ist, überhaupt so viele Jahrtausende ohne EU-Bürokratie zu überleben.

Marx: Insbesondere, da grundsätzlich ja davon auszugehen ist, dass das Leben per se lebensgefährlich ist – und zudem kein einziger Fall bekannt ist, in dem es überlebt wurde. So gesehen müsste jeder Mensch mit einem großen Warnhinweis ausgestattet sein: „Achtung – Leben führt zwangsläufig und immer zum Tod.“

Engels: Ich warne Sie hiermit offiziell, Marx: Ich gedenke mir jetzt eine Pfeife zu stopfen, deren Tabak Vanillearomen enthält, und ich werde diese rauchen, währenddessen ich mich unter anderem in ein Straßencafé begebe und mich dort mutwillig der Witterung und den Autoabgasen aussetze.

Marx: Man kann Sie für Ihren Mut nur bewundern, Engels. Darf ich mit?