Marx & Engels Juli 2015

Ergo fumo, ergo sum

Marx und Engels brachten es seit Februar 2012 in weit über 30 Kolumnen immer wieder auf den Punkt. Die im VdR Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e.V. tatsächlich existenten Herren Franz Peter Marx, Hauptgeschäftsführer des VdR, und Patrick Engels, Vorsitzender des VdR, warfen im monatlichen Rhythmus einen augenzwinkernden Blick auf Dinge des Zeitgeschehens. Bis jetzt. Denn zum letzten Mal gehen die beiden dialektischen Schwergewichte heute in den Infight. Franz Peter Marx verabschiedet sich nach 32 Jahren aus dem VdR und tritt in den wohlverdienten Ruhestand ein.

Engels: „Noch Fragen, Marx?“

Marx: „Drehen wir zum Abschied den Spieß doch einfach mal um – haben Sie noch Fragen,

Engels?”

Engels: „Klar, immer. Die wichtigste: Ist das heute wirklich unsere ultimativ letzte gemeinsame Kolumne?“

Marx: „Ja, Engels. Irgendwann ist mal Schluss – und die Party soll man bekanntlich verlassen, wenn es am schönsten ist.“

Engels: „Das stimmt. Aber, Marx, Sie werden mir gewaltig fehlen!“

Marx: „Auch ich kam nicht umhin, mit einer gehörigen Portion Wehmut auf unsere gemeinsame Zeit zu schauen. Wir haben beide immer „hart am Wind“ diskutiert – und das respektvoll und produktiv. Das ist ein seltenes Geschenk.“

Engels: „Das sehe ich auch so. Mir hat die gemeinsame Zeit richtig viel Spaß gemacht – und unseren Lesern hoffentlich auch! Aber, Marx, eine Frage brennt mir aber dennoch schon seit geraumer Zeit unter den Nägeln…“

Marx: „Na, immer raus damit!“

Engels: „Welcher Typ sind Sie eigentlich? Ich meine, so als Mensch quasi. Der Marx als solcher. Also: Schraubverschluss oder Korken?”

Marx: „Sie wissen doch nur zu gut, dass ich nicht sonderlich viel von den Drehdingern halte. Außer bei Selbstgedrehten, versteht sich. Also: Korken. ‘Hält dicht, lärmt kurz auf und schwimmt immer oben’ – das wollten Sie doch als Pointe gerade liefern, stimmt’s?”

Engels: „Punktgenau in den Lauf gespielt, Marx. Auf unsere Doppelpässe war einfach immer Verlass! Was ist bei Ihnen aus unseren Gesprächen eigentlich so alles hängengeblieben?“

Marx: „Oh, Sie werden staunen. Eine ganze Menge! Also, das Freiluftrauchverbot auf den Ausflugsdampfern ganz bestimmt. Der Regulierungswahn der EU auch. Die Sexsteuer in Bonn mit Parkuhrfütterung ganz sicher. Die weltbewegende Frage, ob Carmen Geiss den neuen Nerz zum Kindergeburtstag anzieht, bleibt mir unvergesslich. Und die Boni für pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz natürlich – da sollen Sie dem Vernehmen nach ja auch ganz schnell ‘Hier!’ gerufen haben.”

Engels: „Ja, ja, ist schon recht! Wenn Sie schon das Diskursniveau in neue, ungeahnte Tiefen senken, will ich dem in Nichts nachstehen. Wie war das denn bitteschön mit Ihrer „Einheitspolitik nach Populismus-Rezept”, dem „Schnitzelessen und der Ökobilanz” oder dem Obama-Verriss? Das war schon harter Tobak. Politisch korrekt geht wirklich anders.“

Marx: „Geschenkt, geschenkt. Und überhaupt: Wenn sich die EU-Kommission korrekt verhält, verhalte ich mich auch wieder ‚politically correct‘. So einfach ist das.”

Engels: „Na ja, immerhin hatten wir beim Thema “Tobak” doch rückblickend die größten Schnittmengen, den größten Konsens. Gerne erinnere ich mich an die ambitionierte Forderung nach einem rauchfreien Europa – bis Ende 2012 wohlgemerkt…”

Marx: „Klar, nicht vergessen. Immer noch ein beliebter Witz zu später Stund’. Auch unsere Streitgespräche zur Tabakproduktrichtlinie, den Schockbildern und Warnhinweisen im Völkerballformat, dem Verbot von Aromastoffen im Kontext irischer Entschuldungspolitik, die Schnupftabakklimmzüge, der ausufernde Regulierungswahn und die Bevormundungsversuche seitens der Europäischen Kommission gegenüber erwachsenen, eigenständig denkenden und handelnden Menschen, sind mir in bester Erinnerung geblieben.”

Engels: „Ja, was wir zwei uns an Thesen und Antithesen um die Ohren gehauen haben, war schon eine Pracht. Zumindest in puncto Genuss haben wir immer schnell zusammengefunden. Doch, was wird noch kommen, Marx, was?”

Marx: „Die Themen, Engels, werden uns garantiert nie ausgehen. Denn so schräg, wie in Brüssel gehandelt wird, können wir beide gar nicht denken. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Tabakprodukte bald nur noch auf Rezept in Apotheken bekommen – oder grammweise abgepackt in dunklen Gassen. Auch Bezugsscheine für Tabak – viele EUParlamentarier kennen das ja noch aus eigener Nachkriegserfahrung – könnten wieder gedruckt werden. Da wird es Konsumenten später auch nicht mehr sonderlich stören, wenn sie als Bierdeckel einen Beipackzettel bekommen und der Wirt per Standleitung und in Echtzeit den Gesundheitskassen berichtet.”

Engels: „Uns bleibt also: Weiterkämpfen für die Freiheit des Genusses. Selbstbestimmt und verantwortungsvoll. Ob hier oder an anderer Stelle…“

Marx: „Eindeutig. Ein einmal aufgegebenes Recht ist doppelt schwer zurückzugewinnen. Wer elementare Bürgerrechte kampflos aufgibt, darf sich zudem später nicht beschweren…“

Engels: „Höchste Zeit für eine letzte…Sie wissen schon.”

Marx: „Die gute ‘Selbstgedrehte danach?’ Gern.”

Engels: „Ich habe uns zum Abschied ausnahmsweise mal einen guten, alten Burgunder mitgebracht. Mit Korkverschluss, versteht sich.”

Marx: „Ewiger Dank sei Ihnen gewiss, Engels.“

Engels: „Ego fumo, ergo sum – Ich rauche, also bin ich.”

Marx: „Darauf trinken wir. Verantwortungsvoll. Genauso, wie wir auch rauchen, Engels.”