Beratung: Raucher ohne Anspruch auf informativen Verbraucherschutz?

Im Verbraucherschutz gilt der Grundsatz: Die Kunden müssen möglichst einfach nachvollziehen können, was sich hinter einem Produkt verbirgt. Ausgerechnet im vielfältigen Feld der Tabakprodukte wird dies nun jedoch torpediert und ins Gegenteil verkehrt.

Bärendienst für den Verbraucherschutz

tabakbeutel-previewKernaufgabe des Verbraucherschutzes ist für ein Höchstmaß an Informationen zu sorgen. Damit soll der Kunde in die Lage versetzt werden, eine informierte Entscheidung zu treffen. Ein gutes Beispiel dafür sind die umfassenden Kennzeichnungspflichten im Lebensmittelbereich. Damit Verbraucher wissen, was sie essen und trinken, müssen auf zahlreichen Lebensmittelverpackungen detaillierte Angaben zu allergenen Stoffen, Nährwerten und Herkunft vermerkt werden. Den Herstellern steht zudem frei weitere Informationen, beispielsweise zur Verwendung gentechnisch veränderter Rohstoffe, darzustellen.

Doch ausgerechnet bei Tabakprodukten wird dieser Politikansatz über Bord geworfen. Informationen zur Gentechnikfreiheit der Rohstoffe, zu im Anbau verwendeten Pestiziden oder zur Recyclingfähigkeit der Verpackungen werden verboten! Den Verbrauchern werden damit qua Gesetz wesentliche Informationen vorenthalten und die Hersteller können Qualitätskriterien nicht mehr als Auswahlentscheidung in den Vordergrund stellen – ein Irrsinn. Besonders bedenklich: Teer- und Nikotinwerte – die in vormaligen Richtlinien vom Gesetzgeber ausdrücklich als notwendige Produktinformation vorgeschrieben wurden – dürfen ab Mitte Mai 2016 nicht mehr ausgewiesen werden.

Fachberatung weiter ermöglichen

Verschärfend kommt hinzu, dass laut Gesetzentwurf selbst im Fachgeschäft an erwachsene Raucher keine kostenlosen Proben mehr abgegeben werden dürfen. Im schlimmsten Fall dürfen die Händler ihren Kunden nicht einmal mehr den Tabak zeigen oder sie daran riechen lassen. Dabei möchte der Kunde die oft sehr teuren Tabakprodukte, die sich auch erheblich voneinander unterscheiden, vorab testen. Die rund 7.000 Tabakfachhändler mit ihren 25.000 Mitarbeitern bieten durchschnittlich 200 Marken und die dafür notwendigen Beratungsleistungen an.

Der VdR plädiert dringend dafür, dass der Fachhandel auch weiter Proben von Feinschnitt, Pfeifentabak und Zigarren/Zigarillos kostenlos abgeben darf. Dies ist auch eine Frage des Selbstbestimmungs- und Informationsrechtes mündiger Bürger.

 

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