Tabak und Verbraucherschutz: Differenzierung unerlässlich

Tabak ist nicht gleich Zigarette: Der Markt zeichnet sich durch vier verschiedene Produktkategorien und eine große Vielfalt von Herstellern aus. Diese Unterschiede hat die Politik stets berücksichtigt. Eine mögliche Abkehr von dieser Praxis bedroht nun die mittelständische deutsche Tabakwirtschaft.

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Welche Differenzierungsmerkmale sind für die deutsche Rauchtabakindustrie besonders relevant?

  • Mittelstand ist Vielfalt und Innovation: Die Mitglieder des VdR zählen fast vollständig zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und sind zum Großteil familiengeführt. Sie bilden die gesamte Vielfalt der verfügbaren Tabakspezialitäten ab – vom Kautabak über die Zigarre und den Zigarillo bis zum Pfeifen- und Schnupftabak. Die deutschen Mittelständler sind auf dem Weltmarkt erfolgreich: Durch Innovationen erreichen sie einen Exportanteil von etwa 30 Prozent bei Feinschnitt und über 40 Prozent bei Pfeifentabak. Dabei tragen diese regional verwurzelten Betriebe eine hohe Verantwortung gegenüber der Belegschaft – die Mitarbeiterzahlen variieren zwischen fünf und mehreren Hundert. Komplizierte bürokratische Anforderungen können die deutschen KMU deutlich schwerer erfüllen als internationale Tabakkonzerne, die zehntausende Mitarbeiter und eine Marktkapitalisierung im dreistelligen Milliardenbereich aufweisen.
  • Handwerk statt Massenfertigung: Die Produktion von ursprünglichen Tabakerzeugnissen, wie Pfeifentabak und Zigarren, erfordert bei der manuellen Mischung unterschiedlicher Tabaksorten eine hohe Handwerkskunst, zum Teil von moderner Technologie unterstützt. Die Herstellungsverfahren sind weit entfernt von der Massenproduktion bei Zigaretten.
  • Genuss- statt Kettenraucher: Die Konsumenten deutscher Tabakerzeugnisse legen großen Wert auf Individualität. Sie haben eine unvergleichliche Sortimentsvielfalt zur Auswahl: rund 300 Feinschnittmarken, 700 Pfeifentabake und 100 Kau- und Schnupftabakprodukte. Zahlen des Eurobarometers zeigen unmissverständlich, dass Pfeifen- und Zigarrenkunden deutlich seltener rauchen als Konsumenten von Zigaretten.

Die verschiedenen Tabakprodukte und Hersteller unterscheiden sich damit deutlich voneinander. Dies hat die Politik in Brüssel und Berlin jahrelang berücksichtigt, zum Beispiel bei Fragen der Übergangs- und Abverkaufsfristen. Dies
muss nun auch bei der Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie geschehen, um die Vielfalt der deutschen Tabakkultur und deren mittelständischen Tabakwirtschaft zu erhalten.

 

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