Vor Ort: Die Berliner Tabak-Manufaktur Planta

Wittenau, mit der S1 20 Minuten von Berlin-Friedrichstraße entfernt. Hier verarbeitet das Familienunternehmen Planta täglich einige Tonnen Tabak. Ein Gespräch mit Dr. Ellen Stiller, Geschäftsführerin von Planta, über Tradition, Chancen und Gefahren.

Wie kommt man darauf, in Tabak zu machen? Und dann auch noch in Berlin?

„Die große Leidenschaft meines Vaters Manfred Obermann war und ist es, den perfekten Tabak zu entwickeln. Bei der Unternehmensgründung 1956 sah er in Berlin gute Marktchancen. Noch heute profitiert das Unternehmen von seinem Wissen über Tabak und seinem Verständnis von Markttrends.“

Welche persönlichen Gründe sprechen für Tabak?

„Schon als Kind habe ich im Betrieb immer mitgeholfen. Tabak ist ein tolles, rein pflanzliches Produkt. Der duftet wunderbar. Und der Bezug zum Rohstoff ist allgegenwärtig, so mischen wir hier ja zum Teil Kleinstmengen von wenigen Kilo für Liebhaber. Wir legen Wert darauf, eine Manufaktur zu bleiben und die Handwerkskunst am Leben zu erhalten. So zu arbeiten und hochwertige Tabakprodukte neu kreieren zu können macht Spaß und entspricht der langen Tradition und Tabakkultur in Deutschland.“

Der Tabakmarkt ist seit langem umkämpft. Wie konnte sich Planta behaupten?

„Ich glaube, dass drei Aspekte wichtig sind. Erstens denken wir langfristig. Wenn wir von einem neuen Produkt überzeugt sind, bauen wir das behutsam auf. Da vergehen schon mal mehrere Jahre. Zweitens scheuen wir uns nicht, auch neue Sachen auszuprobieren. Pro Jahr bringen wir zum Beispiel etwa drei neue Tabakprodukte oder -erweiterungen heraus. Und drittens pflegen wir unsere Kontakte zu den Händlern, Partnern und Großabnehmern seit Jahrzehnten. Diese Langfristigkeit ist schon etwas Besonderes.“

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Im Moment wird die dritte Generation Ihrer Familie eingearbeitet. Wie geht es weiter?

„Das stimmt, mein Neffe Nils Obermann arbeitet bereits mit. Das freut mich sehr. Und wir tun alles dafür, dass Planta weiter erfolgreich wirtschaftet. Das sind wir auch unseren vielen Mitarbeitern schuldig, die teilweise seit 30, 40
Jahren bei uns sind. Aber zum ersten Mal in sechs Jahrzehnten hängt das Wohl und Wehe weitgehend von der Politik ab. Ich muss klar sagen: Wenn der aktuelle Referentenentwurf zur Umsetzung der EU-Tabakrichtlinie so kommt, muss ich die Produktion schließen.“

 

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