Vor Ort: Lübecker Tabakfabrik in achter Generation

Deutsche Tabakhersteller sind zäh. Die meisten Betriebe arbeiten seit vielen Jahrzehnten. Ein schillerndes Beispiel ist von Eicken: Das Unternehmen besteht seit 1770 – Fragen an Marc von Eicken, Geschäftsführer in achter Generation.

In Deutschland ist Ihr Umsatz 2015 um rund 30 Prozent gestiegen – wie das?

von-eicken-previewErstens besetzen wir mit attraktiven Produkten Nischen, die die großen Marktteilnehmer aufgrund ihrer Globalisierungsstrategien nicht besetzen. Mit Marken wie Pepe oder Manitou gehören wir zum Beispiel zu den Pionieren bei der Produktion von hochwertigen Tabaken ohne die Zugabe von weiteren Zusatzstoffen. Bei Manitou geht es sogar so weit, dass die Tabakpflanzen nie mit Pestiziden oder künstlichen Düngemitteln in Berührung kommen. Zweitens setzen wir auch bei preiswerteren Marken wie Burton auf höchste Qualität – und dies nicht nur bei den verwendeten Tabaken. So werden wir seit 2013 nach dem internationalen Food Standard 6 zertifiziert – diesem Prozedere stellen sich eigentlich nur Lebensmittelhersteller. Darüber hinaus werden alle Tabakprodukte ohne Tierversuche und die zusatzstofffreien Produkte sogar vegan hergestellt.

Das klingt aber schon etwas nach einem PR-Gag.

Ein PR-Gag zielt doch immer auf den kurzfristigen Effekt ab. Das kann man uns bestimmt nicht unterstellen. Die Zertifizierung hilft dabei, unsere internen Abläufe zu optimieren, und unterstreicht den Qualitätsanspruch an unsere Produkte. Zusatzinformationen wie die Produktion ohne Zusatzstoffe oder die Verwendung von Tabaken aus nachhaltiger Landwirtschaft sind Informationen, die unsere Kunden einfordern und zur Kaufentscheidung beitragen.

von-eicken-abb2

Aber wozu? Bald dürfen Sie das doch gar nicht mehr kommunizieren?

Ja, in wenigen Wochen dürfen wir auf den Verpackungen und Werbemitteln tatsächlich nicht mehr vermerken, welche Qualität der Tabak aufweist. Aus meiner Sicht ist das ein Unding: Die Politik schreibt den Verbrauchern vor, worüber sie sich informieren dürfen. Über die Anbaumethoden von Tabak oder die nicht vorhandenen Zusatzstoffe und Abrauchwerte sollen sie zukünftig in Unkenntnis gelassen werden.

Aber wir haben starke Marken aufgebaut und ich bin zuversichtlich, dass die Kunden uns die Treue halten – auch ohne die Kommunikation über Produktvorteile. Trotz der tabakfeindlichen Stimmungslage werden wir unseren Optimismus nicht verlieren. In einem schwierigen Marktumfeld werden sich neue Möglichkeiten auftun. Wir sind in jeder Hinsicht so aufgestellt, dass wir diese für uns nutzen können.

 

//  zurück