Track & Trace:
Tabakmittelstand bedroht

Die EU will den illegalen Handel mit Zigaretten stärker bekämpfen. Nach ihrem Willen erhöht sich der Aufwand für die Rückverfolgung von Tabak deutlich. Absurd: Auch Produkte, die gar nicht geschmuggelt werden, sollen erfasst werden. Aufgrund immenser Kosten stehen viele mittelständische Unternehmen vor dem Aus.

Datenfriedhof ohne Mehrwert

track-trace-previewZigaretten und Feinschnitt sollen ab 2019 via Verpackungscodierung in einem sogenannten Track & Trace System erfasst werden, ab 2024 auch Pfeifen- und Schnupftabak sowie Zigarren/Zigarillos. Gemäß EU-Tabakproduktrichtlinie gilt das entlang der gesamten Lieferkette, also inklusive der Versandwege bis zum Einzelhändler. Allein in Deutschland müssten die Daten von rund acht Milliarden Einzelverpackungen erfasst, mehrfach dokumentiert und gespeichert werden. Diese Sammelwut ist ohne Mehrwert: Bereits heute lässt sich mittels Herstellercodes auf den Verpackungen, Versandpapieren und Zollunterlagen jede Tabaklieferung rückverfolgen.

Unzumutbarer Aufwand für den Mittelstand

Besonders skurril: Der Zoll deckt regelmäßig Zigarettenschmuggel auf. Feinschnitt, Pfeifentabak und Zigarren/Zigarillos werden aber nachweislich nicht illegal gehandelt. Dabei ist der Aufwand für Track & Trace hier extrem hoch:

  • Vielfalt bei Verpackungsformaten: Pfeifentabak ist kein Massenprodukt. Individuelle Verpackungsgrößen und Formen erschweren eine Standardisierung und treiben die Kosten in die Höhe.
  • Manuelle Herstellung: Zigarren werden in Handarbeit hergestellt und mitunter einzeln verpackt. Die Daten müssen mit großem Arbeitsaufwand und hohen Kosten manuell erfasst werden, während der Prozess bei Zigaretten nach der Systemeinrichtung vollautomatisch ablaufen kann.
  • Nicht erfüllbare Vorgaben: Der geplante Versandweg muss zukünftig bereits bei der Herstellung angegeben werden. Das ist bei Zigarettenlieferungen an Großhändler selten ein Problem. Bei Herstellern, die Kleinstmengen an Liebhaberkunden vertreiben, ist dies jedoch unmöglich.

Die Folgen wären einschneidend: Allein dem Mittelstand drohen Kosten in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags. Das ist für Familienunternehmen nicht zu stemmen. Tausende mittelständische Arbeitsplätze sind bedroht, die Produktvielfalt bei Genussprodukten wie Zigarren/Zigarillos und Pfeifentabak würde leiden – und das alles, ohne einem einzigen Zigarettenschmuggler das Handwerk zu legen. Die Politik ist aufgefordert, das in die falsche Richtung zielende Track & Trace-System in Brüssel zu stoppen.

 

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