Vor Ort: Pöschl Tabak in Geisenhausen bei Landshut

Gegründet 1902, familiengeführt und erfolgreicher bayerischer Mittelstand – das ist das Traditionsunternehmen Pöschl Tabak. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Patrick Engels.

Seit Mai greift die Tabakproduktrichtlinie. Was bedeutet das für Pöschl?

„Wir stemmen gerade ein Mammutprojekt. Im laufenden Betrieb rüsten wir alle Verpackungsmaschinen um. Wir entwickeln rund 17.000 neue Layouts und machen uns Gedanken, wie wir die abwechselnden Motive künftig verarbeiten können. Wir haben nur deshalb keinen Produktionsstopp, weil wir bereits Ende 2015 mit der Umstellung begonnen haben. Da gab es vom Gesetzgeber noch gar keine Rechtssicherheit. Die Politik hat uns voll ins Risiko gehetzt. Das ist doch ein Skandal, oder?“

Welche Konsequenzen erwarten Sie für den Tabakmarkt?

„Erstens sehen wir einen harten Eingriff in den Wettbewerb. Die Umsetzung der Tabakproduktrichtlinie wird allein unser Haus in toto einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, und das ohne Aussicht auf Return on Investment. Es ist klar, dass die internationalen Tabakkonzerne solche Kosten leichter schultern können. Kleine Tabakproduzenten können da auf der Strecke bleiben, Marken unrentabel und eingestellt werden. Zweitens werden illegale Zigaretten attraktiver. Der Fälscher kann EU-Richtlinien ja ignorieren und weiter die gewohnten Schachteln vertreiben. Und die Preisschere zwischen legalen und illegalen Produkten wird noch weiter auseinander gehen – schließlich können wir die Umstellungskosten nicht einfach so schlucken.“

poeschl-fakten

Welche Perspektiven sehen Sie für Ihr Unternehmen?

„Unsere über 113-jährige Geschichte ist geprägt von solidem Wirtschaften. Das Prinzip des vorsichtigen Kaufmannes wurde mir seit Kindesbeinen eingeimpft. Dazu gehört, nicht um jeden Preis Wachstum zu forcieren, sondern das Geschäft kontinuierlich auszubauen. Hier sind wir mit unseren Produkten auf einem guten Weg. Für den Unternehmenserfolg ist aber mindestens genauso wichtig, dass unsere Mitarbeiter hervorragende Arbeit leisten. Das macht mich stolz und zuversichtlich.“

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

„Um den Bogen mal etwas weiter zu spannen: Ich hoffe sehr, dass Deutschland auch weiter ein tolerantes Land bleibt, in dem die Bürger ihre Freiheiten ausleben können. Da habe ich im Moment nämlich Sorge. Die Politik schreibt den Bürgern immer mehr vor. Das erlebe ich bei Tabakprodukten täglich. Und das ist nicht in Ordnung. Rund ein Viertel der Erwachsenen raucht gern. Das sollte die Politik respektieren. Ich will keinen Nanny-Staat.“

 

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