Vor Ort:
Die Cigarrenmanufaktur Villiger

Waldshut-Tiengen im Schwarzwald: Das Schweizer Familienunternehmen Villiger produziert hier seit über 100 Jahren hochwertige Tabakerzeugnisse. Der Geschäftsführer Peter Witzke im Interview.

Was ist für Sie als Zigarrenhersteller aktuell die größte Herausforderung?

Ganz klar die wachsende Regulierungswut. Wir werden mit immer mehr Rechtsvorschriften konfrontiert. Ein konkretes Beispiel: Das von der EU geplante Rückverfolgbarkeitssystem für Tabakprodukte. Sollte die Regelung so kommen, ist das für uns als Mittelständler administrativ und technisch nicht umsetzbar. Die großen Zigarettenkonzerne können in ihre einheitlichen Produktionsbahnen investieren und den Prozess automatisieren. Die Hochleistungsmaschinen produzieren 20.000 Zigaretten pro Minute fix und fertig verpackt und codiert. Wir hingegen stellen eine Vielzahl von verschiedensten Produkt- und Packungsformaten vom kleinen Cigarillo bis zur handgerollten Zigarre her. Ein Zigarrenroller schafft an einem ganzen Tag ca. 120 Zigarren. Daten zu jeder einzelnen Zigarrenkiste müssten manuell erfasst werden. Damit hätten wir exorbitante laufende Kosten – in Summe rechnen wir mit mehreren Millionen Euro an Zusatzkosten.

Das Prinzip der Rückverfolgbarkeit für Tabak ist aber an sich sinnvoll?

Eben nicht. Denn das Ziel der Regulierung – die Bekämpfung von illegalem Handel – wird völlig außer Acht gelassen. Zigarren werden nicht geschmuggelt, ganz einfach! Fragen Sie den Zoll: Die Probleme bestehen ausschließlich bei Zigaretten und Wasserpfeifentabak. Zudem hilft die Reglementierung der legalen Lieferkette nicht bei der Eingrenzung des Schwarzmarktes. Sie macht lediglich legale Produkte teurer und damit Schmuggel attraktiver.

Auch bei der Umsetzung des drohenden Zusatzstoffverbots gibt es praktische Probleme.

Das kann man sagen. Wir haben noch immer keine Rechtssicherheit, weil das Verbot noch nicht rechtskräftig ist, aber irgendwann rückwirkend zum Mai 2016 gelten soll. Damit droht der Branche, dass sie ihre Produktion rückwirkend vernichten müssen, und das obwohl die wissenschaftliche Basis des Verbots fraglich ist.

Raucht denn heute überhaupt noch jemand Zigarre?

Die Zigarre erlebt eine kleine Renaissance bei den Über-30-Jährigen: Die Nachfrage nach handgerollten Zigarren als Genussmittel steigt. Ich sehe darin eine bewusste Entscheidung für eine Entschleunigung in immer hektischeren Zeiten.

 

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